Für viele Menschen beginnt der Frühling mit einem Gefühl von Aufbruch. Die Luft wird wärmer, die Tage länger, überall sprießen neue Blüten. Doch während sich manche über diese Jahreszeit freuen, reagieren andere mit tränenden Augen, Niesanfällen und einer Nase, die scheinbar gar nicht mehr aufhören will zu laufen.

Allergien gehören inzwischen zu den häufigsten chronischen Beschwerden. Und dennoch bleibt für viele Betroffene unverständlich, warum der Körper so heftig reagiert. Schließlich handelt es sich bei Pollen, Hausstaub oder Tierhaaren nicht um Krankheitserreger.

Genau darin liegt das eigentliche Rätsel der Allergie.

Eine übervorsichtige Abwehr

Unser Immunsystem ist darauf spezialisiert, den Körper zu schützen. Es erkennt Viren, Bakterien und andere Eindringlinge und sorgt dafür, dass sie möglichst schnell unschädlich gemacht werden.

Bei einer Allergie läuft dieser Schutzmechanismus jedoch aus dem Ruder. Das Immunsystem reagiert plötzlich auf Stoffe aus der Umwelt, die eigentlich harmlos sind. Diese Substanzen werden Allergene genannt.

Die erste Begegnung mit einem solchen Stoff verläuft meist noch unauffällig. Der Körper merkt sich ihn jedoch. Bestimmte Antikörper lagern sich an Immunzellen an, die vor allem in den Schleimhäuten und der Haut sitzen.

Kommt es später erneut zum Kontakt, wird eine Kettenreaktion ausgelöst.

Die Rolle von Histamin

Im Mittelpunkt dieser Reaktion stehen sogenannte Mastzellen. Sie gehören zum Immunsystem und befinden sich besonders häufig dort, wo der Körper mit der Außenwelt in Berührung kommt, etwa in den Atemwegen, der Haut oder im Darm.

Werden diese Zellen aktiviert, setzen sie verschiedene Botenstoffe frei, unter anderem Histamin. Dieses Histamin erweitert Blutgefäße und macht sie durchlässiger. Schleimhäute schwellen an, die Nase beginnt zu laufen, die Augen jucken.

Aus Sicht des Körpers ist diese Reaktion eigentlich logisch. Sie soll den vermeintlichen Eindringling möglichst schnell wieder aus dem Körper entfernen. Für Betroffene fühlt sich diese Abwehrreaktion allerdings eher wie ein Daueralarm an.

Warum Allergien immer häufiger werden

Auffällig ist, dass allergische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben, sie sind längst keine Seltenheit mehr. Schätzungen zufolge entwickelt heute etwa jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine allergische Erkrankung.

Warum das so ist, lässt sich nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen. Verschiedene Entwicklungen unseres modernen Lebensstils scheinen daran beteiligt zu sein.

Eine bekannte Erklärung ist die sogenannte Hygiene-Hypothese. Sie besagt, dass unser Immunsystem heute mit deutlich weniger Mikroorganismen in Kontakt kommt als früher. Dadurch fehlt gewissermaßen ein Teil des Trainings, das dem Immunsystem hilft, zwischen harmlosen und gefährlichen Reizen zu unterscheiden.

Auch Veränderungen in Ernährung, Umwelt und Lebensweise werden als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. In vielen Industrieländern hat sich der Alltag in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Kinder wachsen häufiger in stark hygienisierten Umgebungen auf, verbringen weniger Zeit im Freien und kommen seltener mit Mikroorganismen aus Boden, Pflanzen oder Tieren in Kontakt. Für das Immunsystem bedeutet das möglicherweise weniger „Training“, um zwischen harmlosen und gefährlichen Reizen zu unterscheiden.

Auch Umweltfaktoren können eine Rolle spielen. Luftschadstoffe etwa können die Schleimhäute der Atemwege reizen und empfindlicher machen. In Kombination mit Pollen oder anderen Allergenen kann das allergische Reaktionen verstärken.

Hinzu kommen Veränderungen in der Ernährung. Industriell stark verarbeitete Lebensmittel, ein hoher Zuckeranteil und eine insgesamt ballaststoffarme Ernährung beeinflussen nachweislich das Darmmikrobiom. Da ein großer Teil des Immunsystems im Darm angesiedelt ist, könnte auch dieser Zusammenhang erklären, warum Allergien häufiger auftreten.

Wahrscheinlich entsteht eine Allergie jedoch selten aus nur einem einzelnen Auslöser. Meist handelt es sich eher um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, zu denen genetische Veranlagung, Umweltbedingungen und Lebensstil gemeinsam beitragen.

Der Körper reagiert empfindlicher

Wer unter Allergien leidet, erlebt häufig, dass die Beschwerden nicht immer gleich stark sind. Manche Jahre verlaufen relativ ruhig, andere dagegen deutlich belastender.

Das hängt auch damit zusammen, dass das Immunsystem kein isoliertes System ist. Es steht in enger Verbindung mit anderen Regelkreisen im Körper, etwa mit dem Hormonhaushalt oder dem Nervensystem.

Gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken, kann auch die Reaktionsbereitschaft des Immunsystems steigen. Der Körper reagiert dann schneller und stärker auf Reize, die er eigentlich tolerieren könnte.

Allergien verstehen heißt Zusammenhänge erkennen

Viele Betroffene konzentrieren sich zunächst verständlicherweise auf den äußeren Auslöser. Pollen, Hausstaub oder bestimmte Nahrungsmittel stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Doch Allergien sind mehr als nur eine Reaktion auf einen einzelnen Stoff. Sie spiegeln auch wider, wie empfindlich oder stabil das Immunsystem insgesamt reagiert.

Deshalb lohnt es sich, den Blick etwas weiter zu fassen. Neben der unmittelbaren Behandlung der Symptome kann es sinnvoll sein, den Organismus insgesamt zu unterstützen und die Regulationsfähigkeit des Immunsystems zu stärken.

Dabei spielen Lebensstil, Ernährung und auch der Zustand des Darms eine Rolle. Gerade dieser Zusammenhang rückt in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Forschung.

Im nächsten Beitrag geht es deshalb um eine Frage, die viele überrascht: Welche Rolle spielt eigentlich der Darm bei Allergien?

 

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