Immer wieder berichten mir Familienangehörige und Partner von Krebspatienten, dass sie „Ihren“ Menschen gar nicht mehr wiedererkennen.

Tja. Das kann vorkommen. Eine solche scheinbare Wesensveränderung ist in der Regel ein Zeichen von Entwicklungsimpuls im Sinne der Heilung auch wenn es dem Umfeld zunächst einmal nicht so richtig zupass kommt.

Aber mal von vorne. Es gibt auch eine Art Wesensveränderung, die durch den Tumor bedingt ist und das alltägliche Leben immer weiter erschwert. Vor allem bei Hirntumoren kennt man dies, aber auch bei Metastasen in der Leber im Endstadium. Und natürlich bei starken Schmerzen. Es gibt viele in der Krankheit selbst liegende Ursachen für die Wesensveränderung eines Menschen. Diese werden in der Regel als leidvoll sowohl für den Betroffenen als auch für das Umfeld erlebt. Schuldzuweisungen und Reglementierungen helfen nicht weiter. Wichtig ist hier zu wissen, dass es nicht der geliebte Mensch ist, der z.B. eine Art von Aggressivität entwickelt, sondern die Krankheit. Oftmals wechseln Momente großer Klarheit und Vertrautheit sich ab mit jenen, in denen der Patient wie ein Fremder erscheint. Die Betroffenen sollten in diesen Fällen alle professionelle Hilfe nutzen. Psychologische Unterstützung anzunehmen ist wichtig. Ebenso helfen im Alltag die Pflegedienste die viele Situationen auffangen können.

Das andere sind Veränderungen, die der Heilung dienen. Im Angesicht einer Krebserkrankung werden viele Menschen wesentlich. Sie geben sich weniger ab mit Belanglosigkeiten, die Werte verändern sich und so mancher beginnt damit, Dinge zu tun, die er immer schon wollte, nie formulierte und stets verdrängte. Das macht unbequem. Menschen, die immer mit allem einverstanden waren finden plötzlich eine ganz andere Seite, das Gegenteil. Menschen, die immer für die anderen da waren sagen auf einmal: „Ich bin dran“. Viele Patienten, die mit ihren persönlichen Themen in Arbeit gehen, grenzen sich mehr ab. „Will sie sich jetzt nur noch selbst verwirklichen?“ fragt so mancher Ehemann, der sich unverstanden fühlt. Und so manches Paar fragt sich, wie es denn mit der Liebe wirklich steht.

Es liegt sehr viel Zündstoff in diesen Prozessen. Manch eine Partnerschaft übersteht diese Prüfung tatsächlich nicht. Es lohnt sich aber, diesen Weg gemeinsam ehrlich zu gehen denn darin liegt auch für den Partner oder die Familienangehörigen eine Chance. Das Leben wird sicherlich unbequemer. Wenn man die Komfortzone verlässt, können viele unerwartete Dinge geschehen, die das Leben- letztlich – deutlich bereichern.
Der Patient leidet unter diesen Veränderungen nicht. Im Gegenteil: sie sind Kraftquelle und Grund dafür, aktiv bei der Genesung mitzuwirken. Hier spricht der Lebenswille.

Nützlich ist hier auch der folgende Gedanke: Die Art und Weise, wie man sich durch das Leben bewegt hat, hat dazu beigetragen an den Punkt zu gelangen, an dem man jetzt steht. Innere Wandlung macht möglich, dass sich auch das äußere Leben anders arrangiert. Dies ist das, was jeder beitragen kann zur eigenen Genesung. Auch wenn es ungewohnt und manchmal schwer ist sollte ein Lebensgefährte diese Dinge unterstützen. Sicherlich wird es sein Schaden nicht sein.

Situationen einfach zu erdulden und immer brav mitzumachen ist natürlich nicht die Lösung für die Familie, die Partner, die Freunde. Auch hier gibt es die Möglichkeit, professionelle Hilfe anzunehmen. Gemeinsame und eigene Wege zu sondieren. Damit alle ihre Chance in der Situation wahrnehmen können.

Wenn Sie mögen, rufen Sie mich an. In einem ersten Gespräch können wir bereits vieles klären, auch wenn Sie nicht im Saarland leben: 0681 / 97 05 95 94.

Ein gutes Buch für Menschen, die sich lieben: „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ von Michael Lukas Moeller.