Rauchen aufhören? Einfach uncool!

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Warum ist es eigentlich so gnadenlos unsexy mit dem Rauchen aufzuhören?

Ich meine: die Realität als Raucher/in ist ja relativ schwierig:

  • Du musst draussen bleiben
  • Du riechst nicht gut
  • Die Haut sieht grau, faltig und fleckig aus (nicht so wie die auf den Werbeplakaten)
  • Früher oder später musst Du damit rechnen, richtig schwer krank zu werden (jetzt geh mir fort mit dem „Helmut Schmidt-Spruch“ – den glaubst Du nämlich selbst nicht)

…und diese Liste könnte ich jetzt bis zum Nimmerleinstag weiterführen und vor mir her tragen. Aber Fakt ist:

Rauchen aufhören ist einfach unsexy. Punkt.

Ein ganzes Lebensgefühl geht dabei verloren. Es ist ein bißchen so, als würde ich einen Porschefahrer davon überzeugen wollen wie cool es doch ist mit dem Flixbus zu fahren.

Die Zigarette ist doch im Grunde zum Freund, zum Begleiter durch’s Leben, zur möglicherweise einzigen festen Größe in allen Situationen geworden. Jaja, auf meine Sucht kann ich mich verlassen:)) – die ist einfach immer da. Rauchen ist richtig cool. Immer noch. Raucher haben ein gemeinsames Band, sie fühlen miteinander wenn sie sagen: „Uff, jetzt erstmal eine rauchen“. Genussvoll, versteht sich.

Wenn Du nun trotzdem überlegst, mit dem Rauchen aufzuhören dann sollst Du wissen: es wird Dir etwas fehlen. Alle jene Methoden und Rauchentwöhnkuren, die suggerieren, dass es ein Leichtes wäre das Rauchen aufzugeben – da wirst Du an der Nase herumgeführt. Und das weisst Du auch.

Du wirst Dich komplett umstellen müssen im Leben. Du wirst in der ersten Zeit unruhig und seelisch unausgeglichen sein. Du wirst Konflikte viel stärker wahrnehmen (und hast dann Deine Zigarette nicht mehr, die Dir half Dampf abzulassen). Du wirst im Umfeld nicht nur positive Unterstützung finden – es gibt genug der alten Rauchgenossen die nur darauf warten, dass Du es (auch) (zum x-ten Mal) nicht schaffst. Du gehst auf ganz neues Terrain, und zwar alleine!

Aber nochmals zurück zu meinem Thema: Warum wollen nicht einfach alle Leute das rauchen aufhören, wo es doch bekannt ist, dass…??

Weil alle wissen wie verflixt schwer das ist! Und weil einfach niemand auf etwas verzichten will was ihm lieb geworden ist. Das ist ein Gefühl und da kommen Notwendigkeiten, Argumente und geistige Klarheit (von wegen: Genuss ist es doch garnicht, es ist maskierte Sucht…) einfach nicht gegen an.

Weil es in der Regel einen Hammer im Leben braucht um eine Veränderung anzustreben. Zum Beispiel eine Diagnose die Dich aus den Schuhen hebt. Selten kann es auch das Kind sein das gerade zur Welt gekommen ist und Dich in eine neue Lebensenergie fordert. Es gibt auch diejenigen Menschen die einfach Vernunftbegabt sind – sie hören in der Regel so mit Beginn der Vierziger auf zu rauchen. Auch sie haben es nicht leicht damit aber sie tun es einfach weil es eben richtig scheint.

Bei mir war es damals eine Diagnose. Und ich habe Monate gebraucht um mit mir als Nichtraucherin klarzukommen. Mir war, als sässe ich auf einem emotionalen Pulverfass – stets zwischen weinerlich und aggressiv verortet. Wie aus Pandora’s Büchse sprangen mich ungeklärte Beziehungen, alte geleugnete Verletzungen und seelische Wunden an. Ich konnte das nur durchhalten weil ich zwei Dinge hatte:

  • ein bärenstarkes Motiv

  • und die Entschlossenheit, mich mit all dem, was da kommt auseinanderzusetzen.

Mir war, als würde ich einen ganz neuen Weg beschreiten. Auf der einen Seite war da die olle, vertraute Autobahn meines Raucherinnendaseins: Cool. Lässig. Schick. Sexy. Auf der anderen Seite war ein Weg, der noch garnicht existierte und von dem ich bislang immer in Kategorien von: Spaßbremse, spießig, bierernst und treudeutsch dachte. Schliesslich hatte ich schon mit dreizehn das Rauchen begonnen, ich kannte mich erwachsen nur als Raucherin. Diesen Weg zu entwickeln, zu entdecken und so zu gestalten dass er nach und nach die Autobahn vollkommen überflüssig machte – das war echte Arbeit. Schweiss und Tränen. Ja, irgendwann machte das auch Spaß. Aber dass ich nach vielen Jahren diesen neuen Weges es so empfinden würde wie es jetzt ist (nämlich, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens war!) das konnte ich lange nicht ahnen oder sehen.

Tja. Im besten Fall kann ich sagen:

Wenn Du aufhören willst zu rauchen, dann beginne Deine eigene Heldengeschichte zu schreiben.

Denn es ist schwer. Es macht nicht schnell Spaß. Eine Sucht zu überwinden ist kein Osterspaziergang. Und: rauchen aufhören? Kannst Du.

Du wirst belohnt werden. Ja. Irgendwann. Und dann weisst Du, was Du im Leben bewältigen kannst. Du kannst dann wirklich mit Stolz auf eine gute Substanz schauen. Auf einen Weg, der alles andere als langweilig war und der sich allemal gelohnt hat. Und Du weisst dass Du fortan den wirklichen Herausforderungen des Lebens anders entgegengehen kannst.

Und wenn Du magst, dann helfe ich Dir dabei.

 

Von | 2018-01-03T09:46:32+00:00 17. Januar 2017|Kategorien: Raucherentwöhnung|Tags: |0 Kommentare

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